Biker ⟩ Biken ⟩ Glaubenskrise Was für ein Biker bin ich? 15.02.2019 Ich fahre das Bike, welches am Besten gewartet ist :-)

Ob Hardtail, Fully, E-bike. Egal auf welchem Bike ich gerade sitze, ich habe Spaß am Biken. Wieso aber stecken wir Biker uns in Schubladen?


2018 war ein erlebnisreiches Jahr.

Vielleicht ging es mir wie vielen Bikern. Bloß kein E-Bike fahren, sonst will ich bald eines haben! Natürlich war ich immer wieder mal mit E-Bikes unterwegs, aber so richtig eines haben mußt ich deshalb keines. Nun, seit Mai 2018 steht eines in meinem Bikekeller. Exakt 1.400 km stehen auf dem Tacho, davon hab ich knapp die Hälfte gefahren.

Noch krasser: 2018 saß ich seit 10 Jahren wieder einmal auf dem Rennrad. Berufsbedingt mußte ich gleich viermal auf und über den Gavia Pass. Eines meiner Highlights im vergangenen Jahr.

Weiteres ergab sich mir im Laufe des Jahres auch die Gelegenheit, verschiedene Bikes zu testen. Trailbikes, Enduros, 27,5er und 29er.

Nun stell ich mir selbst die Frage: Welcher Biker bin ich denn? New Fashion oder Old School. Und das Fazit: Ich bin verwirrt!!!

Einfach biken, geht das noch?

Diversität bringt Konflikte

Vor gut 25 Jahren war die Welt noch in Ordnung. Es gab Stahlrahmen Hardtails und fetzige 90er Jahre Lackierungen, das wars. Als die ersten Fullies über den großen Teich schwappten, brach die heile Bike-Welt zusammen.

War es schon damals die Bike Industrie, welche uns ein Zweitbike verkaufen wollte, oder haben wir Biker mit dem "Glaubenskrieg" begonnen? Die Hardtailisti spotteten über die wippenden Hinterbauten der bleischweren Fully-Ungetüme und dessen Fahrer. Fully Fahrer sind "Weicheier" und können eh nicht biken.

Solche Stories kennen wir doch alle. Das gleiche Thema bei Scheibenbremsen, später bei der Dropperpost. Was für ein Aufschrei, als die ach so schrecklichen 29er Bikes zuerst den Einzug im CC Sport hielten, dann auch im realen Leben gefahren wurden. Ja sogar bis in den Eduro World Cup und UCI DH haben sie es geschafft.

Wäre das nicht schlimm genug, verkaufen sich E-Bikes mittlerweile wie geschnitten Brot. Schon wieder ein neues Feindbild. E-Biker sind faul, Behinderte oder alte Leute!

Viele Biker, viele Meinungen.

Wieso so aggressiv?

Wieso reagierst du so aggressiv gegenüber Neuerungen, obwohl die Geschichte lehrt, daß sich bis Dato fast alle Errungenschaften durchgesetzt haben?
Hast du Angst "Old School" also nicht mehr "trendy" zu sein, wenn du nicht jeden Schrei hinterher eifern willst oder kannst?
Hast du Angst um deine Hometrails, weil immer der Traffic durch die Neuen rasant ansteigt?

Anders herum gefragt: Wieso mußt du das Alt Bewährte so schlecht reden, nur weil du jetzt auf einem ellenlangen New Fashion Enduro Bike sitzst, daß dich wie eine Folterbank streckt?

Bunt ist die moderne Bike Welt, aber auch tollerant?

Ruhig bleiben ist angesagt!

In Zeiten wo ein Social Media Kommentar schneller geschrieben ist, als ein Espresso getrunken, mußt du ein wenig tolleranter werden.

Wenn ich auf den Trails von Wanderern angesprochen werde, daß ich der erste Muskelbiker bin, der heute an ihnen vorbei fährt, verwundert mich das.

Wenn du, lieber Biker mich anpöbelst, daß E-biken nix mit Sport zu tun hat, du selbst aber gerade 50 hm tiefer aus einem Shuttle gesprungen bist, verwundert mich das noch mehr.

Es wird Zeit, daß wir Biker uns chilliger begegnen!

Und lass mir meine Freiheit, ich will selbst entscheiden, welches Bike ich für die Tour auswähle und dein Kommentar in diese Richtung interessiert mich überhaupt nicht.

In diesem Sinne, wir sehen uns friedlich auf den Trails.

Matze

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